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Ankommen - auch in der Arbeitswelt

Gleich mittendrin: Zivilgesellschaftliche MigrantInnen-Organisationen ebnen Geflüchteten den Weg in die Arbeitswelt (Foto: Samir Sakkal/Morgen e.V.)
Gleich mittendrin: Zivilgesellschaftliche MigrantInnen-Organisationen ebnen Geflüchteten den Weg in die Arbeitswelt (Foto: Samir Sakkal/Morgen e.V.)

[29|05|2019]

Bürgerschaftliche Organisationen helfen jungen Geflüchteten auf dem Weg in die Arbeitswelt

 

Sprache, Wohnen, Familie und eine gänzlich neue Kultur – die Liste der Herausforderungen für junge Geflüchtete, die in Deutschland angekommen sind, ist lang. Erhalten sie den Status „bleibeberechtigt“, können sie sich auf Ausbildungs- und Arbeitssuche begeben. Doch oft klaffen langfristig sinnvolle Ausbildungs- und Arbeitsziele und momentan drängende Probleme auseinander: Familienangehörige erwarten vielleicht finanzielle Unterstützung und Fluchterfahrungen prägen ein Lebensgefühl von Tag zu Tag. Der Quereinstieg in das deutsche Bildungssystem kommt einem Leben im Zeitraffer gleich.

 

Prof. Dr. Nicole Poetter von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften forscht zur Ausbildungs- und Arbeitsintegration junger, bleibeberechtigter Geflüchteter. In ihrem aktuellen Projekt „Lokale Unterstützungsketten für bleibeberechtigte junge Geflüchtete“ (LokU) untersucht sie speziell den Beitrag von Selbsthilfe- und Migrantenorganisationen für die Integration der Neuzugewanderten in München. In einem Vorgängerprojekt führte sie bereits mit ihrem Projektkollegen bundesweite Interviews mit Beratenden und deren Führungskräften. Dabei wollte sie herausfinden, welche Faktoren offizielle Stellen wie Jobcenter und Jugendmigrationsdienste für relevant für gelingende Wege in die Ausbildung und später den Beruf halten.

 

Zivilgesellschaftliche Angebote: Mehr Handlungsspielräume

Die Einzelberatungen der offiziellen Stellen sind hilfreich. Und die Standardisierung der Gespräche mit den Einzelnen ist kein Zufall, Gesetzesvorgaben verpflichten die BeraterInnen dazu, allen das gleiche Angebot zukommen zu lassen: „Und gleichzeitig stelle ich dann fest: das Gleiche ist aber gar nicht für alle passend“, sagt Pötter zu dem engen Handlungsspielraum der Beratenden in den offiziellen Stellen.

 

Mehr Möglichkeiten haben da bürgerschaftliche Akteure wie Selbsthilfe- und Migrantenorganisationen sowie lose Zusammenschlüsse von freiwillig Engagierten: Die Freiwilligen sind flexibler und können sich auf den Einzelfall einstellen. Eventuell haben die Engagierten selbst ähnliches erlebt wie die jungen Geflüchteten und begleiten sie über die Beratung hinaus auch bei der Umsetzung ihrer beruflichen Ziele.

 

Der einzelne Mensch zählt. Gemeinsam und in Begleitung lässt sich der Bildungs- oder Berufseinstieg besser meistern (Foto: Samir Sakkal/Morgen e.V.)
Der einzelne Mensch zählt. Gemeinsam und in Begleitung lässt sich der Bildungs- oder Berufseinstieg besser meistern (Foto: Samir Sakkal/Morgen e.V.)

Unterstützungsangebote in München

Rund 300 Selbsthilfe- und Migrantenorganisationen in München möchte Pötter befragen. Die Schlüsselinstitution dafür ist MORGEN e.V., ein Netzwerk von Münchner Organisationen für MigrantInnen. Wie arbeiten die bürgerschaftlichen Organisationen mit den offiziellen Beratungsstellen zusammen? „Da gibt es durchaus, alleine wegen der unterschiedlichen Strukturen, Probleme, derer man sich bewusst sein muss, wenn man miteinander kooperiert“, lautet die Einschätzung der Professorin zu ihrem Forschungsfeld.

 

Das Projekt „Lokale Unterstützungsketten für bleibeberechtigte junge Geflüchtete: Kooperationspotenziale professioneller und bürgerschaftlicher Akteure in München für die Integration in Ausbildung und Beruf“ (LokU) wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst finanziert und läuft seit dem 1. Oktober 2018 bis zum 31. Dezember 2021. Zu den Kooperationspartnern gehören die Landeshauptstadt München, das Jobcenter München und der Verein „MORGEN e.V. – Netzwerk Münchener Migrantenorganisationen“.

 

Weitere Informationen: Informationen zum Projekt LokU sind auf den Internetseiten der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften zu finden.

 

 

Christiane Taddigs-Hirsch