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Jubiläumsveranstaltung „15 Jahre KonTEXT“ am 07.05.2026
In stimmungsvollem Rahmen feierte das an der Fakultät 11 entwickelte und mehrfach ausgezeichnete KonTEXT Leseprojekt am 7. Mai sein 15-jähriges Jubiläum
15/05/2026
Eingeladen waren neben Beteiligten aus den Bereichen Justiz, Sozialer Arbeit, schulischer und kultureller Bildung vor allem ehemalige und aktuell Mitwirkende, Betroffene und Förderer des Projekts aus verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft. Zusammen mit zahlreichen Teilnehmenden aus der Hochschule erlebten sie ein abwechslungsreiches Programm, das durch musikalische Einlagen einer studentisch unterstützten Professoren-Band aufgelockert wurde.
Vor einem Gesamtpublikum von gut 100 Personen umriss die Initiatorin und Leiterin des Projekts, Prof. Dr. Caroline Steindorff-Classen, in ihrer Begrüßungsansprache die Entwicklung des Projekts seit seinen Anfängen im Jahr 2011. Sie sprach von den über 1.000 Lesegruppen, die seither von engagierten Studierenden in verschiedenen Jugendarrestanstalten durchgeführt wurden. Weitere Lesegruppen fanden mit psychisch kranken Straftätern in einer Klinik für forensische Psychiatrie sowie mit jungen Menschen ohne Schulabschluss oder Ausbildungsplatz aus Berufsvorbereitungsklassen der Berufsschule Dachau statt. Erwähnt wurden ferner die mehr als 3.000 Lesemaßnahmen, die seit 2012 auf richterliche Anordnung in oftmals aufwendiger Einzelbetreuung umgesetzt wurden. Damit hielt durch KonTEXT die zentrale Neuerung der „Leseweisungen“ im Münchner Großraum Einzug. Parallel dazu nahmen seit 2013 über 800 junge Menschen, die wegen Schulabsentismus in der Jugendarrestanstalt München inhaftiert waren, an einem speziellen Projektangebot für diese Zielgruppe teil. Zusätzlich wurde in derselben Anstalt eine projekteigene Bücherei eingerichtet, von der über den Projektzeitraum hinweg Tausende von jungen Menschen profitiert haben.
Caroline Steindorff-Classen dankte allen, die durch ihr zum Teil langjähriges Engagement für KonTEXT diese Entwicklung möglich gemacht haben. Explizit benannte sie neben den Studierenden und weiteren Hochschulangehörigen den KonTEXT-Förderverein und den Verein Ethica rationalis e.V., die über viele Jahre hinweg zentrale Stützen für das Projekt bildeten.
Erwähnung fand in dem Rückblick auf die Geschichte des Projekts auch der Digitalisierungsschub, den KonTEXT seit Beginn der Coronapandemie erfahren hat. Gleiches gilt für die Herausforderungen und Schwierigkeiten, mit denen das Projekt in der Zeit danach nicht zuletzt aufgrund von Veränderungen des Leseverhaltens von Betroffenen und Studierenden konfrontiert war.
Der Rückgang des Interesses junger Menschen am Buch bzw. Lesen stand auch im Zentrum eines Podiumsgesprächs mit dem Jugendbuchautor Stefan Knösel, das von der langjährigen Unterstützerin des Projekts, Prof. Dr. Sabine Anselm (LMU), moderiert und kommentiert wurde. Zuvor würdigte der Dekan der Fakultät 11, Prof. Dr. Stefan Pohlmann, in einem spritzigen Redebeitrag das Durchhaltevermögen und die Verdienste der Projektleiterin um das Projekt. Ferner gaben ein ehemaliger Projektteilnehmer und eine Absolventin der Hochschule, die vor ihrer derzeitigen Tätigkeit als Jugendstaatsanwältin als Studentin der Sozialen Arbeit im Projekt mitgewirkt hatte, Einblicke in ihre Erfahrungen mit dem Projekt. Eindrucksvoll schilderten sie die Bedeutung, die es für ihren persönlichen Werdegang gewonnen hat.
Gelegenheit zum Austausch bestand anschließend auf einem „Markt der Lese- und Schreibförderung“, auf dem sich verschiedene Initiativen und Bildungsträger seit dem Vormittag an der Fakultät 11 präsentierten. Darüber hinaus bestand für die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich auf dem Markt umfassend über die verschiedenen Teilbereiche des Projekts zu informieren. Dazu boten eine aufwendig gestaltete Ausstellung sowie verschiedene Workshops zu Möglichkeiten kreativer Verarbeitung von Literatur vielfältiges Anschauungsmaterial.
Für das kurzweilige Programm erhielten die Projektverantwortlichen anschließend viel Anerkennung. Zugleich wurde während der Veranstaltung sehr deutlich, welche Herausforderungen noch vor dem Projekt liegen. Der nachhaltige Transfer seiner innovativen Ansätze in die Gesellschaft ist noch längst nicht abgeschlossen, sondern bleibt eine ebenso lohnende wie anspruchsvolle Herausforderung.