Transfer HUB
Aktuell entwickeln wir einen Knotenpunkt (Transfer HUB) zur Förderung des forschungsbasierten Ideen-, Wissens- und Technologietransfers im Bereich Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen. Dazu haben wir uns in unserem Fakultäts- bzw. Hochschulentwicklungsplan verpflichtet.
Ein erster Schritt zur Umsetzung des Innovation Hub war die Einwerbung einer Innovationsprofessur „Theorie-Praxis-Transfer und Social Entrepreneurship“, die Professorin Dr. Annette Korntheuer ab Sommersemester 2024 ausgestalten wird.
Die Innovationsprofessur soll dazu beitragen, bestehende Initiativen und Programme zu bündeln, eine kohärente Strategie zur erfolgreichen Interaktion zwischen Hochschule, (Sozial-)Wirtschaft und Gesellschaft zu befördern, Ausgründungen für die Sozial- und Gesundheitswirtschaft zu unterstützen, neue Strukturen und Erfahrungen in Richtung eines kreativen Ideen-, Wissens- und Technologietransfers verfügbar zu machen.
Vom Wintersemester 2024 bis zum Sommersemester 2026 gestalteten wir in einem partizipativen Prozess die Veranstaltungsreihe „Let‘s talk about -TRANSFER-“, um als Community of Practice wesentliche Strukturen für Praxisallianzen und -innovationen zu entwickeln.
Das Transfer HUB Modell
Der Transfer HUB der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften zielt darauf, Kommunikationsräume zwischen Hochschule und Praxis zu schaffen, Zusammenarbeit sichtbar zu machen, gelingende Praxis in sozialen Organisationen zu unterstützen und gemeinsam in Politik und Gesellschaft zu wirken. Er soll eine dauerhafte Infrastruktur für Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Fachpraxis, sozialen Organisationen und Adressatinnen und Adressaten schaffen.
Das Modell ist aus dem partizipativen Prozess „Let's talk about TRANSFER" entstanden und wird stetig gemeinsam mit der Transfer Community weiterentwickelt. Was es von anderen Transferkonzepten an HAW unterscheidet, ist die konsequente Ausrichtung auf alle Akteursgruppen des Feldes, einschließlich Menschen in marginalisierten Lebenslagen als Mitgestaltende institutioneller Transferstrukturen.
Das Fundament soll der Aufbau einer Transfer Community bilden, die strukturelle Begegnung und Dialog dauerhaft ermöglicht, getragen von gemeinsamen Kooperationsprinzipien, verstetigten Formaten wie regelmäßigen Netzwerktreffen sowie der Bemühung um Ressourcen, die echte Partizipation sichern.
Auf diesem Fundament stehen drei Säulen. Säule 1 zielt auf gemeinsame Forschung und Praxisinnovation: Praxisfragen sollen als Ausgangspunkt für Forschungsprojekte genommen werden, Forschungsergebnisse und Lehrforschungsprojekte für die Transfer Community sichtbar gemacht und barrierearm aufbereitet werden. Langfristige Research Practice Partnerships sind das angestrebte Kooperationsmodell.
Säule 2 richtet den Blick auf Lehre und Praxisphasen: Praxis soll zur aktiven Mitgestalterin von Curricula und Lehrveranstaltungen werden. Ziel dieser Säule ist die Anerkennung biografischer Expertise und Experiential Knowledge als gleichwertige Wissensform, realisiert zum Beispiel durch Teamteaching mit Erfahrungsexpertinnen, Anleitungsfortbildungen und die gezielte Begleitung des Übergangs in den Beruf (Projekt PraxisPlus).
Säule 3 denkt Transfer am weitesten: gesellschaftliche Wirkung und Advocacy. Forschungsergebnisse sollen in politische Empfehlungen einfließen, und zum Beispiel Politik in Diskussionsrunden eingebunden werden und gemeinsame Stellungnahmen entstehen.
Daran arbeiten wir gemeinsam mit der Transfer Community.
Aktivitäten im Transfer HUB
Säule 1 des Transfer HUBs zielt auf die ko-produktive Entwicklung von Forschung und Praxisinnovation, auf Research Practice Partnerships als langfristiges Kooperationsmodell und auf den Aufbau von transdisziplinären Forschungskompetenzen in Wissenschaft und Praxis. Genau hier setzt die Zusammenarbeit mit SHE:RC (Society, Health & Education: Research Center) an: als Forschungsinstitut der FK11 und MUC.HEALTH fördert SHE:RC transdisziplinäre und partizipative Forschung und vernetzt Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft. Der ForschungsFokus-Workshop brachte beide Strukturen erstmals in einem gemeinsamen Format zusammen.
Am 10. Juni 2026 trafen sich 23 Teilnehmende auf dem Campus Pasing, darunter Forschende der Fakultät, Studierende, Praktikerinnen der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik. Die Veranstaltung war gut besucht und lebendig: Nach einem Input zu Grundlagen, Formen und Herausforderungen transdisziplinärer und partizipativer Ansätze tauschten sich die Teilnehmenden über eigene Projekte und Erfahrungen aus. Dabei wurden Gelingensbedingungen ebenso diskutiert wie strukturelle Hürden, insbesondere mit Blick auf knappe Ressourcen und die Notwendigkeit, Macht- und Repräsentationsverhältnisse bei der Ko-Produktion von Wissen kritisch zu reflektieren.
Den Abschluss bildete die direkte Erprobung des Dilemma Cafés als Reflexionsmethode, die auch in partizipativen Forschungsprojekten eingesetzt wird. Herzlichen Dank an das Team des Praxisforschungsprojekts AlgeleQua, das eine konkrete Situation aus dem Projektalltag eingebracht und damit eine lebhafte und produktive Gruppenreflexion ermöglicht hat. Anhand einer Body Map versetzten sich die Teilnehmenden in die Perspektiven verschiedener Akteurinnen und erarbeiteten in zwei Gruppen gemeinsam Lösungsansätze.
Weitere gemeinsame Workshops von SHE:RC und Transfer HUB sind bereits in Planung.
Säule 2 des Transfer HUBs nimmt Lehre und Praxisphasen in den Blick mit dem Ziel, Praxis und Ausbildung stärker miteinander zu verzahnen. Ein zentrales Anliegen dabei ist die Anerkennung biografischen Erfahrungswissens (experiential knowledge) als gleichwertige Wissensform neben akademischem und professionellem Wissen. Menschen mit gelebter Erfahrung bringen ein spezifisches Wissen ein, das Perspektivwechsel ermöglicht, Reflexivität fördert und dazu beiträgt, Studium und Lehre näher an den Realitäten der Adressatinnen auszurichten.
Im Rahmen der Workshopreihe „Let's talk about TRANSFER" wurde deutlich, dass die Einbindung von Erfahrungsexpertinnen strukturell verankert sein muss, nicht punktuell ermöglicht werden darf. Konkrete Formate umfassen Tandemlehrveranstaltungen, angemessen vergütete Beteiligungsformate und die anonyme Erfassung biografischer Erfahrungen der Studierenden zu Semesterbeginn, um Erfahrungswissen im Lehrraum sichtbar und nutzbar zu machen. Ergänzend wurden Safer Spaces als Voraussetzung für einen authentischen Austausch benannt. Entsprechende Lehr- und Kooperationsformate werden in Zusammenarbeit mit Adressatinnen, Selbstvertretungs- und Selbsthilfeorganisationen weiterentwickelt.
Das Pilotprojekt PraxisPlus begegnet dem Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik durch die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Praxisfeld. Ziel ist es, durch nachhaltige Praxiskooperationen Studienabbrüche zu verringern, Berufseinmündungen zu erleichtern und den langfristigen Verbleib im Berufsfeld zu fördern. Das Projekt knüpft unmittelbar an die Ergebnisse der Workshopreihe „Let's talk about TRANSFER" an, in der über 100 Teilnehmende aus Hochschule und Fachpraxis zentrale Bedarfe formuliert haben.
PraxisPlus verfolgt drei aufeinander abgestimmte Maßnahmenpakete: die ko-kreative Initiierung langfristiger Community-Partnerschaften und Erweiterung der Praxisnetzwerke, die Unterstützung erfolgreicher Praxisphasen durch Schulungen für Praxisanleitende und den Ausbau der digitalen Praxisbörse sowie die gezielte Begleitung des Übergangs in den Beruf durch Seminar- und Fortbildungsangebote. Ein viertes Maßnahmenpaket sichert die begleitende Beforschung und formative Evaluation, um erfolgreiche Praktiken nach der 18-monatigen Pilotierungsphase zu skalieren.
Das Projektteam setzt sich zusammen aus Prof. Dr. Annette Korntheuer , Prof. Dr. Ursula Unterkofler , Gunda Sandmeir M.A. , Prof. Dr. Nicole Pötter und Prof. Dr. Regine Schelle.