Von Innovation zu Autorität – EdTech-Diskurse im Kontext der Governance öffentlicher Bildung

Laufzeit:
01.05.2027 - 30.04.2030
Projektstatus:
laufend
Einrichtungen:
Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften Forschungsinstitut für Soziales, Gesundheit und Bildung (SHE:RC)
Projektleitung:
Prof. Dr. Jana Heinz
Förderprogramm:
DFG Sachbeihilfen
Drittmittelart:
DFG
Internationale Zusammenarbeit:
ja
Projektart:
Forschung

Das Projekt untersucht, wie Bildungstechnologien (EdTech), z.B. digitale Plattformen und KI-basierte Dienste Einfluss auf öffentliche Schulen in Großbritannien und Deutschland gewinnen. EdTech wird häufig als neutraler Akteur dargestellt, der pädagogische und administrative Probleme „lösen“ könne. Das Projekt setzt eine andere Perspektive an: EdTech wirkt auch über Narrative und Allianzen, durch die digitale schulische Ansätze als selbstverständlich oder alternativlos erscheinen. Diese Bedeutungszuschreibungen sind relevant, da sie bestimmen, wer als Expert*in gilt, was als „gute“ digitale Bildung anerkannt wird, und wie Technologien gesteuert werden. Das Projekt adressiert die Herausforderung, dass öffentliche Debatten und politische Entscheidungen zu EdTech häufig auf technische Leistungsfähigkeit oder „Innovation“ fokussieren. Dabei bleibt oft unbeachtet, wie Legitimität über öffentliche Narrative (z. B. „Effizienz“ oder „evidenzbasierte“ Verbesserung) sowie über Partnerschaften zwischen Unternehmen, politischen Akteur*innen und wissenschaftlichen Einrichtungen hergestellt wird. Dies kann Transparenz verringern, demokratische Beteiligung einschränken und Entscheidungsautorität von pädagogischen Fachkräften, Lernenden und Gemeinschaften verlagern. Ziel des Projekts ist eine geisteswissenschaftlich geleitete, empirisch fundierte und vergleichende Analyse, wie EdTech in der Praxis steuerbar wird. Das Projekt verfolgt fünf Ziele: (1) die zentralen Narrative und Metaphern zu identifizieren, mit denen EdTech in politischen und unternehmerischen Kommunikationskontexten in beiden Ländern gerahmt wird; (2) zu analysieren, wie diese Rahmungen Legitimität und Autorität zwischen Staat, Unternehmen, pädagogischen Akteurinnen, Zivilgesellschaft und Lernenden verteilen; (3) zu untersuchen, wie Bedeutungszuschreibungen über Instrumente wie Beschaffungsrahmen, Standards, Compliance-Vorlagen und Plattform-Governance in konkrete Praktiken übersetzt werden; (4) vergleichend herauszuarbeiten, wie unterschiedliche GovernanceKulturen in Großbritannien und Deutschland EdTech-Politik-Allianzen prägen; sowie (5) gemeinsam mit öffentlichen Akteurinnen alternative Narrative und Governance-Strategien zu entwickeln, die demokratische Teilhabe und öffentlichen Mehrwert stärken. Methodisch kombiniert das Projekt vergleichende Diskurs- und Bildanalysen (einschließlich sozialer Medien und ausgewählter öffentlicher Veranstaltungen) mit ethnografischer Beobachtung, Expert*inneninterviews, Gruppendiskussionen und partizipativer KoProduktion. Ergänzend werden praxisorientierte Formate entwickelt: immersive Workshops in Großbritannien sowie ein frei zugängliches digitales Reflexionsinstrument in Deutschland. Der erwartete Nutzen liegt in einem besseren Verständnis von EdTech-Governance sowie in evidenzbasierter Orientierung für transparentere und demokratische Ansätze digitaler Bildung.

Projektförderung

Logo Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Projektpartner

University of Portsmouth